Manche Menschen sagen, es gibt Engel auf Erden.

Andere Menschen sagen, das sei Quatsch und werden

beinahe wütend, wenn man ihnen widerspricht.

Ich sage ganz ehrlich, dass man beweisen kann sicherlich nicht,

dass es Himmelswesen um uns herum gibt.

Schließlich hat niemand bisher tatsächlich ein solches zu sehen gekriegt.

Zumindest keines, dass mit langem, gelocktem, güldenem Haar

und Flügeln auf dem Rücken war sicht- oder greifbar.

Wenn es aber darum geht,

dass einem im Leben ein Fremder schützend zur Seite steht,

ohne dass man ihn gebeten hat, dies zu tun,

nun,

dann sieht die Sache schon anders aus für mich.

Denn erst vor Kurzem begegnete zufällig ich

einem solchen Schutzengel, der, zunächst unsichtbar,

zur rechten Zeit, am rechten Ort, als Retter war da.

Dieser Engel war ein Mädel mit blondem Haar,

dass zufällig ganz in der Nähe beim Advents-Basar war,

als ein rüstiges Mütterlein stürzte vor dem dortigen Kuchen-Tresen.

Ohne zu wissen, was hierfür ist der Auslöser gewesen,

ohne zu fragen, abzuwarten oder sich verschämt wegzudrehen

konnte man die Maid sofort loslaufen sehen,

als diese hatte realisiert,

dass vor ihren Augen ein Unfall war passiert.

Der Zufall, so möchte ich ihn ausnahmsweise mal nennen,

ließ das Mädchen – dank Erste-Hilfe-Kurs – fachmännisch erkennen,

wie sie mit helfender Hand

den passenden Hebel-Griff fand,

um die alte Dame wieder auf die Beine zu hieven,

der, mit ausgekugelter Schulter, verständlicher Weise die Tränen liefen

über Wange und über ihr ganzes Gesicht.

Trotzdem bedurfte sie professioneller Hilfe letztendlich nicht,

weil ihr Schutzengel sie so geschickt hatte hochgezogen,

dass, praktisch wie von selbst und ungelogen,

die Schulter zurück fand in ihre richtige Position.

Als die Sanitäter eintrafen, da lächelte schon

längst wieder schmerzbefreit die ältere Frau.

Nachdem man sie später untersucht hatte genau,

konnte man Ärztlicherseits nur feststellen,

dass, dank des beherzten, korrekten und schnellen

Eingreifens der jungen Erst-Helferin,

die Schulter wieder perfekt an „Ort und Stelle“ hing.

 Das Mädchen selbst verzog sich bescheiden,

wollte jedweden Rummel um seine Person so vermeiden.

Ich halte es trotzdem für wichtig, von diesem Geschehen zu berichten.

Denn für mich sind derartige Alltags-Geschichten

der leibhaftig gewordene Beweis dafür,

dass an unser aller LebensTür –

immer wieder und meist völlig unverhofft –

ein Engel, wenngleich auch ohne Flügel, anklopft.

Manchmal hat er vielleicht gerade frei,

kommt nur mal kurz auf ein „Käffchen“ vorbei.

Andermal ist er dagegen Retter in höchster Not,

wenn mehr oder weniger großes Unheil uns droht.

So oder so gibt’s ihn, wir müssen ihn nur erkennen,

ganz egal, bei welchem Namen wir ihn nennen.

Der Engel, von dem ich mit dieser Geschichte –

quasi live aus der „ersten Reihe“ – berichte,

heißt übrigens Lina und ist 16 Jahre alt.

Ein Engel (ohne Flügel) in Menschen-Gestalt.

Dir, Lina, sage ich auf diesem Wege einfach nur „Dankeschön“,

dass du da warst, anstatt einfach weiterzugehen.

Und nebenbei kann man übrigens am Happy End für die alte Dame auch noch eines sehen:

dass in der Weihnachts-Zeit immer wieder kleine oder größere Wunder geschehen.


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